18. Dec. 2017, 10:36

,,ALPEN-ÜBERQUERUNG – Der Lange Weg 02

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Ich habe also beschlossen, mit R. über die Alpen zu wandern, von Salzburg ans Mittelmeer, nach Triest. Im Sommer 2018. Seither habe ich dieses Vorhaben zahlreichen meiner Mitmenschen kundgetan. Ich habe meine Wander-Ausrüstung ergänzt (Neue Schuhe! Neue Regenbekleidung!! Ein neuer Rucksack!!! Ein Merino-Shirt!!!! ). Ich habe zu Beginn dieses Jahres 2017 das neue Jahres-Programm meiner Alpen-Vereins-Sektion Offenbach studiert. Und da steht auf der Rückseite so ein Angebot: eine24-Stunden-WanderungVon sowas hatte ich schon gehört. Scheint der letzte Schrei zu sein. Für Leute, die auch beim Wandern noch einen Kick brauchen. So, wie, äh, ich, offenbar … denn ich lese das, und denk mir: „yes, da melde ich mich an!“In der Rhön soll das stattfinden, im Juni, eine Nacht und einen Tag. Ein wunderbares Erlebnis verspricht der Organisator, der sich als ehemaliger Mitschüler erweist. Klingt super. Da mach ich mir ein schönes Wochen-Ende.Die Monate vergehen, der kühle Frühling vergeht, der Juni naht, und mit ihm der Termin für die Wanderung. Noch in den Tagen davor bibbere ich wegen des Wetters. Denn ich bin jetzt wirklich ganz darauf fixiert und will das unbedingt machen. Wie das werden wird, ob ich das schaffe, darüber denke ich seltsamer Weise gar nicht nach. Vermutlich, weil es mir so irreal erscheint. So wie wenn *man beim Besteigen eines Berges eventuell Höhenangst empfindet, beim Herausschauen aus einem Flugzeug aber nicht mehr; die Dimensionen verschieben sich.Episode 1Alles geht gut, und so treffen wir uns am Freitag, den 10.6. um 18.00 am Bahnhof in Gersfeld. Petra, eine Mit-Offenbacherin, hat mich netterweise mit hierhergenommen. Außer unserem „Guide“ Martin kenne ich noch keinen. Ein Hund ist auch dabei. Wir laufen dann los, ein wenig durch Wald und Feld. Noch ist die Sonne da, aber dunkle Wolken dräuen. Wir fragen uns, ob *man sofort tot ist, falls man vom Blitz getroffen wird. Niemand weiß so wirklich Bescheid. Und so beeilen wir uns sehr, als es zu donnern und blitzen und zu schütten anfängt, aber es erwischt uns prompt, bevor wir unsere erste Station, die Berghütte Simmelsberg erreichen. Heftiges Gewitter kurz vor unserer AbendeinkehrHier essen wir zu Abend; irgendwie komisch, das am Anfang einer Tour zu machen.Episode 2Es klart auf, und wir steigen hinauf zum Simmelsberg. Die Landschaft ist wirklich wunderschön. Nicht umsonst heißt es von der Rhön „Land der fernen Weiten“ … Alleine die üppigen Wiesen, schöner können sie in den Alpen nicht sein. Und wie sich der Nebel in den Tälern bildet. Und die Sonne geht unter. Dann gehen wir weiter, in der Dämmerung. Der Hund bekommt ein rot leuchtendes Halsband, damit er nicht verloren geht. So eine Dämmerung ist ganz schön lange … als hätte ich noch nie eine Dämmerung erlebt … aber in der Stadt bekommt man das eben nicht so mit.Dann steigen wir aus dem Wald eine Wiesenkuppe auf und über der Kuppe wird es hell und … der Mond geht auf. Und es ist ein Vollmond. Was für eine Erscheinung! Und wie hell sein Licht ist … die Hochebenen der Rhön liegen mystisch im Mondenschein. „Ganz reizend“ findet das unser GUIDE. Ja, es ist wirklich wunderschön. Verwunschen.Einmal grunzt es laut um dunklen Unterholz. Der Hund! denke ich erschreckt … aber es ist nichts passiert. Gleichwohl hat das arme Wildschwein sicherlich fast einen Herzinfarkt bekommen …Meine Schuhe sind nass. Das werden sie auch für den Rest der Wanderung bleiben.Episode 3„Ihr seid zu schnell!“, sagt unser „Guide“; wir sind ein bisschen zu früh am vorgesehen Etappen-Punkt. Angenehm, dass die Tour zeitlich so großzügig angelegt ist. Zu keiner Zeit kommt Leistungsdruck auf, auch kein „OH MEIN GOTT, worauf habe ich mich eingelassen, ich sterbe!!“ … Die Tour ist außerdem als Rund-Tour um Gersfeld geplant, so dass ein Rückkehren jederzeit möglich wäre. Wobei das Nachts etwas blöd wäre, na ja … Wir machen dann auch immer Pausen. An dunklen Wege-Kreuzungen im Walde. Das ist nicht soo gemütlich, aber es muss ja sein. Bloß nicht zulange. Sonst geht die Luft raus, und die Schläfrigkeit naht.Gegen Halb 1 Uhr nachts erreichen wir das Besucher-Center im Roten Moor. Es liegt still und dunkel da. 2mal fährt ein Auto vorbei. Die würden wohl den Schreck ihres Lebens bekommen, wenn ihnen in stockdunkler Nacht eine Horde Wander*innen über den Weg liefe. Ein Nachtvogel ruft. Wir steigen hoch zum riesigen Sendemast am Heidelstein. Es windet. Episode 4„Wir gehen jetzt durchs Moor“ sagt der GUIDE. Wie was, durchs Moor? Da sinkt man doch ein!! Nein, natürlich nicht, denn es führt ein Pfad mit Holzplanken durch dunklen Birkenwald. Der Pfad ist schmal, wir tippeln einzeln hintereinander her, und mir wird bewusst, dass ich die Letzte in der Reihe bin. Und ich denke an diese Horror-Filme, wo jemand, schwupp, von einem Monster geschnappt wird. Das kennt man ja! Es ist das einzige Mal in dieser Nacht, dass es mich ein klitzekleines bisschen gruselt. Aber ich gehe tapfer weiter, und schießlich gelangen wir an eine Lichtung, mit einem Aussichts-Punkt, mitten im Roten Moor. Episode 5Ich habe das Gefühl, ich gehe ein bisschen stolperig. Ist das, weil ich müde bin? Oder weil ich den Weg doch nicht soo gut sehe? Ich weiß es nicht … Aber es geht schon. Es geht gut. Gleichwohl verlässt uns hier der Erste. Er mag nicht mehr. Er ist ortsansässig, und kennt den Weg nach Hause. Der Hund hat auch genug und geht mit. Es ist ca 2:30 Uhr.Wir machen einen Schlenker um den „Feldberg“ herum, weil, wir sind ja schon wieder zu schnell … unten im Tal sieht man Lichter. Ein Dorf. Gleichwohl hat diese Gegend das Prädikat „Sternen-Park“, weil es hier  des Nachts besonders wenig Lichtverschmutzung gibt … übrigens hat der Vollmond es sich jetzt anders überlegt. Es mag ca. 3 Uhr nachts sein, als sich mit einem Male Wolken vor den Mond schieben … es wird dann doch ein Stück dunkler, und die Landschaft wirkt unwirtlich, nicht mehr so verzaubert. Ich gucke auf die Uhr: noch 2 Stunden bis zum Sonnenaufgang, noch 4 Stunden, bis uns dass Frühstück gebracht wird. Ächz. Na ja. weiter.Episode 6Noch ein kleiner, dunkler Anstieg und wir gelangen zur Fulda-Quelle, einem kleinen Rastplatz, wo wir uns zu einer längeren Pause niederlassen. Ein Frosch sitzt an der Quelle. Wir suchen uns Plätze auf den Holzbänken, verzehren unser Proviant. Feigen habe ich dabei, und Cashew-Kerne. Das Wasser aus meiner Flasche ist eiskalt. Ich sollte mir endlich mal eine Thermos-Kanne besorgen.Mit einem Male kommt mir vor, dass es ganz sachte heller wird. Und dann wird mir plötzlich bewusst, dass Vögel singen. Das haben die eben noch nicht gemacht, ich bin ganz sicher!Ja, ganz ganz sachte dämmert etwas … kurz nach 4 Uhr morgens. Welche Erleichterung! Welch Motivation … die Nacht ist zu Ende.Episode 7In der Dämmerung laufen wir, auf einem Panorama-Weg, der Wasserkuppe entgegen. In die Ferne mit ihren sachten Hügeln erblickt man, wie sich die Nebelschleier in die Täler schmiegen, so zart. Das sieht so schön aus. Übrigens laufen wir alle mit einem Mal irgendwie deutlich langsamer. Vielleicht weil wir wissen: Ein neuer Tag kommt, die Nacht haben wir überstanden. Irgendsowas. Oder vielleicht haben unsere Körper endlich geschnallt, dass eine moderate Geschwindigkeit ganz wichtig ist für Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen. Für lange Wege. Das finde ich jetzt irgendwie tiefsinnig.Der Sonnenaufgang kommt dann, und ist irgendwie voll unromantisch: die Sonne schiebt sich über eine graue Wolkenbank, ganz rot ist sie, das sieht eher apokalyptisch aus. Außerdem befinden wir uns gerade an den sich im „Neubau“ befindlichen Parkplätzen an der Wasserkuppe. Na ja. Parkplätze. Noch mehr Autos. Jedenfalls, immerhin geht die Sonne auf. Und ein halbes Stündchen später verschwinden die grauen Wolkenbänke, und es ergießt sich güldenes Morgenlicht über die Bergwiesen rund um die „spacige“ Kugel auf dem Gipfel. Schön ist das.Episode 8Wieviel Uhr ist es? Irgendwas zwischen 6 und 7 Uhr. Es ist sonnig. Das Zeigefühl ist langsam verschwunden. Gleichwohl, das Frühstück naht. Wir laufen über Bergwiesen, durch ein Waldstück, die „Eube“, mit einem gefährlich abschüssigen Kammweg, hinab ins Tal. Unterwegs fragen wir uns, was das für Gestalten sind, oben am „Pferdskopf“: Sind es Bäume? Die bewegen sich doch! Sind es Rhön-Schafe? Sind es Para-Glider? Um die Zeit, so früh morgens, wer ist so bekloppt?! … und da naht unser Ziel: der Guckai-See, verheißungsvoller Ort unseres FRÜHSTÜCKS. Nebel liegen über dem See, so Avalon-mäßig. Der See gilt als sehr kalt, selbst im Sommer, er liegt ein bisschen versteckt in einem Tal-”Loch“.Wir breiten uns auf einem Holz-Steg aus. Ich ziehe Socken und Schuhe aus, und versuche, sie ein bisschen in der Sonne zu trocknen. Und da kommen schon die zwei „Verpfleger“ mit unserem reichen Frühstücks-Picknick, mit Kaffee und allem drum und dran. Aaahhh … eine Wohltat. Die sprichwörtliche „Stärkung der Moral“. Ich packe mir ganz viel Verpflegung ein. Für jede/n gibts eh noch ein Lunch-Paket. Eine Mitwanderin fährt mit den beiden „Verpflegern“ zurück nach Gersfeld. Es war eine lange Nacht.Es nähern sich zwei Leute, ein Mann und eine Frau, offenbar ortsansässige Bekannte. Wir so: „Wir sind die ganze Nacht gelaufen!“. Und die beiden so: „Echt? Krass!! Also, wir wollen hier baden.“ Und wir so: „Echt? Krass!“ Und schon, schwupps, hat sich der Mann ausgezogen, und ist in den See gehupft.Episode 9Wir gehen weiter. Einfach weiter. Unterwegs ein kleiner Abstecher zum Mini-Gipfel „Wachtküppel“. Da ist ein Gatter drumherum. Und die letzten Meter sind steil, und ganz oben ist es felsig. Oben drauf ein Gipfelkreuz. Als hätte jemand einen Miniatur-Alpen-Gipfel simuliert. Den haben allerdings Ziegen okkupiert, mitsamt ihren Hinterlassenschaften. Die haben sich wahrscheinlich auch das Gatter um ihr Areal gebaut. Sie lassen uns aber gewähren und spektakuläre Gipfelfotos machen.Episode 10Weiter. Wieviel Uhr ist es? Ich habe kein Gefühl mehr. „In Echt“ ist es wohl vormittags. Es fühlt sich aber an wie viel später am Tag. Wir reden alberne Sachen. Schlafmangel macht ja kreativ … Nein, auch ernste Themen kommen zur Sprache. Der GUIDE, der meine Alpen-Überquerungs-Pläne kennt, meint, och, ich würde das hier doch gut hinkriegen, da solle ich mir bezüglich der Alpen-Sache keine Sorgen machen. Dann reden wir über Nerd-Wander-Themen: GPS: Total überschätzt! Lieber weglassen und Karten verwenden! / Magnesium: ja, doch, kann man machen; also, einnehmen, um Muskel-Schmerzen zu lindern / Kleidung: am besten: 3 Garnituren, und diese Einzeln in Plastik verpackt. Der Ordnung wegen. … also: ziemlich aufregende Themen. Jawohl!Episode 11Jetzt sehr viel Wald. Manchmal müssen wir nach den Wander-Zeichen gucken. Wir machen Rast an ein paar Holzstämmen. Einige sagen, sie würden...

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