Simone Laudehr nach dem Tor gegen Nigeria am 30. Juni 2011(Quelle) Es ist 2011, und es ist wieder Fußball-WM. Die Frauenfußball-WM. Richtig viel Aufmerksamkeit bekommt sie, sogar ein Panini-Heft gibt es, zum ersten Mal mit Fußballerinnen und ich hab mir endlich eins gekauft. Natürlich bekommt sie nicht so viel Aufmerksamkeit wie eine normale Männer-WM; kaum Fahnen seh ich aus Fenstern und Autos ragen, Flachbildfernseher in jeder Eckkneipe sind Fehlanzeige, und die Spieltermine sind auch suboptimal; wer hat schon unter der Woche um 14 Uhr Zeit und Muße, Fernsehen zu gucken. Abendspiele gibt es wenige, und einige sind dann auch noch auf die Sparten-Sender ZDFinfo und Einsfestival geraten (Das muss in zwei Jahren anders werden, meine Lieben).Aber dass das alles zwar schon viel besser, aber noch lange nicht optimal bzw. in der Gesellschaft angekommen ist, geschenkt. Es überrascht nicht, auch wenn mensch es im Auge behalten und daran arbeiten muss. Was jedoch ein wenig überraschend und traurig ist, dass dieses Ereignis auch bei vielen Frauen die Begeisterung in Grenzen hält. Ich möchte das nun auf keinen Fall verallgemeinern: für die EMMA war Frauenfußball immer ein favorisiertes Thema; die L-Mag hat in ihrer aktuellen Ausgabe ein ganzes Dossier darüber und Fatmire Bajramaj auf dem Cover; die pop-feministische "MISSY" hat eine eigene Beilage für ihr Magazin gemacht, und postet online Beiträge zum Thema; und Bloggerin Annina Luzie Schmid schreibt auf Facebook einfach "yeah, es ist Frauen-Fußball-WM" (liebe Annina, falls Du das liest, entschuldige das ungenaue Zitat, ich deine Original-Status-Meldung gerade nicht mehr finden :;)). Also, es GIBT Begeisterung und Interesse, auf jeden Fall. Und das ist toll. Aber, hey. irgendwie ... könnte es mehr sein. Denn das gibt es leider auch: Statements von Frauen, die postulieren, dass sie Fußball nicht interessiert. Oder wohlwollendes Belächeln ("Was, Du schaust Fußball? Ist das jetzt ironisch?"), welches einem signalisiert, dass Fußball ja wohl total MAINSTREAM und damit total irrelevant und schnöde ist. Hm. Nun bleibt es jedem/jeder unbenommen, Fußball uninteressant zu finden. Mich selber interessiert Fußball als solcher auch nicht wirklich (bei uns zuhause wurde nie Fußball geschaut, und weder Papa noch Bruder spielten jemals --> fehlende Sozialisation); selber gespielt habe ich es auch nie (wobei ich mir vorstellen kann, dass es irre Spaß macht; allein, mir geht stets nach 5 Minuten sowas von die Puste aus). Aber OBWOHL Fußball mich als solcher wenig kratzt, bin ich mir doch der sozio-politischen Bedeutung dieses Phänomens bewusst. Und ich sehe, was es für eine Riesenleistung aller Beteiligten ist, eine Fußball-WM auf die Beine zu stellen, wo FRAUEN Fußball spielen, und wo 18Millionen vor den Fernsehern sitzen; wenn man bedenkt, mit welchen abstoßenden Ressentiments fußballspielende Frauen zu kämpfen hatten und noch immer haben. Und dann ist so eine WM nicht mehr schnöde und belanglos; dann ist genau das Ankommen im Mainstream die Qualität der Sache. Ich spare es mir, an dieser Stelle die zahlreichen Bedeutungsebenen und Facetten dieses Groß-Ereignisses zu skizzieren; ich möchte einfach nur darauf hinweisen, dass die gesellschaftliche Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann; und dass das Engagement der vielen Frauen und Männer, die international den "Frauen"-Fußball unterstützt haben, auch einfach mal gewertschätzt werden kann. Ein bisschen mehr Solidarität und Support wäre schön.Mehr zum Thema im Blog "Papierschiffchen": "Das WM-Fieber steigt weiter"
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