18. Sep. 2019, 12:03

Antwort der Grünen

Beantwortung der 4 Fragen:
Zu 1.: „Wo haben Sie sich in den letzten Jahren für die Belange von Bildenden Künstlerinnen eingesetzt?“
Zu 2.: „Im Haushalt der Stadt Frankfurt (Produktbereich 21.01) ist die Förderung von Projekten der Bildenden Kunst mit 70.000,- Euro angesetzt. Dieser Betrag ist nicht ausreichend. Haben Sie sich für seine Erhöhung eingesetzt? Wenn nein, warum nicht?“
Zu 3.: “Welche besondere Unterstützung können KünstlerInnen für langfristig angelegte Projekte von der Stadt Frankfurt erwarten.“
Und zu 4.: “Warum sollten KünstlerInnen in Frankfurt bleiben? Inwieweit braucht Frankfurt KünstlerInnen vor Ort?“

Die Stadt Frankfurt stellt, um Gegenwartskunst respektive allgemein bildende Kunst zu fördern, Mittel in erheblichem Maße zu Verfügung. Damit unterstützen wir Institutionen wie den Kunstverein, Portikus, Heusenstamm-Stiftung und Städelschule. Nicht zu vergessen die Arbeit des städtischen Museums MMK.

Basis und Atelierfrankfurt, die bis dato über Projektmittel unterstützt wurden, werden jetzt jeweils in Höhe von je 20.000,- Euro institutionell gefördert. Für das städtische Atelierförderprogramm stehen 465.000,- Euro zur Verfügung, die Ausstellungshalle Schulstr. 1a (30.000,- Euro) und das Ausstellungsforum Frankfurter Kunstszene (15.000,- Euro) werden ebenfalls institutionell gefördert.

Es stimmt aber in der Tat, dass – darüber hinaus - für Projekte im Bereich bildende Kunst "nur" 70.000,- Euro eingestellt sind. De facto sind diese Mittel seit 2002 kontinuierlich erhöht worden. Dennoch. Im Vergleich zur Theaterförderung erscheint der Betrag auf den ersten Blick eher bescheiden, was unter anderem an der Infrastruktur, den Bedarfen und an der Wertschätzung des kulturellen Angebots in der Stadtgesellschaft liegt. Darüber ließe sich nachdenken und streiten.

Ein kleiner, aber wirksamer Erfolg für die lokale Szene ist das Projekt "open doors", das auf unsere Initiative hin durch das Kulturamt eingerichtet wurde. Dies ließe sich noch weiter ausbauen. Ein weiteres Beispiel ist die Zusammenarbeit von MMK, Kunstverein und Zollamt (Haus am Dom) aktuell.

Darüber hinaus dringen wir immer wieder darauf, dass in Frankfurt lebende und arbeitende KünstlerInnen und KuratorInnen akzeptable Arbeitsbedingungen erhalten, dass gute, interessante Projekte gezielter, besser und nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip (jeder ein bisschen) unterstützt werden und auch (Beispiel Max Weinberg zum 80.Geburtstag) "Raum" für Ausstellungen bekommen.

D.h. die Handhabung der Projektmittel muss (wie für die Freien Theater) vor allem überdacht werden, noch engagierter verwaltet werden und mittelfristig die Stadt vielleicht einen festen Raumpool für Bildende Kunst schaffen. – Auch im sog. Stadthaus soll übrigens ein multifunktionaler, städtischer Ausstellungsraum entstehen. Hier ließe sich in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein (o.a.) sicher eine interessante Reihe (Kunst trifft Geschichte) etablieren.

Wir möchten uns auch wieder verstärkt für Projekte der Auseinandersetzung mit "Kunst im öffentlichen Raum" einsetzen und erwarten, dass die Stadt (Kulturdezernat) hier über die Museen eine aktive Ankaufspolitik betreibt für junge Kunst (denn die etablierte ist nicht mehr finanziell darstellbar) bzw. die Eigenarbeit der Kunstszene hier stärker fördert. Frankfurt ist nicht Berlin, aber den Anschluß sollte man suchen. Leider haben manche junge, kreative KuratorInnen, die beispielsweise an den verschiedensten Orten Positionen zeitgenössischer Plastik gezeigt haben, aufgrund der Förderpraxis der Stadt in der Vergangenheit das Handtuch geworfen. Wir hätten heute möglicherweise eine Lösung gefunden. Ich denke, ähnlich wie für den Bereich Kinder- und Jugendtheater geschehen und die Filmszene geplant, sollte auch hier über ein Gesamtkonzept und differenzierte Fördermodelle nachgedacht und mit den Protagonisten Ideen (weiter)entwickelt werden.

Frankfurt verfügt aufgrund des hohen Mietpreisniveaus und Verwertungsdrucks nicht über ausreichend bezahlbare oder umnutzbare „ZwischenRäume“, Industriehallen oder Gewerbeflächen in urbanen, innenstadtnahen, sich im Umbruch befindlichen Quartieren wie dem Ostend, Bahnhofs- oder Fischerfeldviertel, in denen sich Künstler niederlassen und arbeiten können. Daher haben wir das Programm „Leerstehende Räume für Kreative“ auf den Weg gebracht. Ziel war und ist ein flexibles Förderprogramm, über das ansonsten kaum marktfähige Orte für Kulturschaffende erschlossen und kreativ nutzbar gemacht werden können. Davon profitieren zuerst die Künstler, die über einen gesicherten Zeitraum einen bezahlbaren Arbeitsort erhalten. Aber auch Stadt und Vermieter profitieren über die stattfindende Aufwertung und „Verlebendigung“ des Stadtraums. Mirek Macke wäre einer der ersten, der über dieses Programm – mit Hilfe der Leerstandsagentur - für einen gewissen Zeitraum sein Projekt sichern könnte. Die Teilbaugenehmigung ist hier ein erster Schritt. Denn er braucht vor allem einen gescheiten Mietvertrag, bevor Geld investiert werden kann!

Darüber hinaus müssen wir mit Nachdruck bereits bestehende Standorte stärker schützen und entwickeln helfen. Bei der Naxoshalle scheint uns dies endlich mit der Festschreibung als Kulturort gelungen. Für Basis, deren Mietvertrag 2012 ausläuft, müssen Verhandlungen mit dem Land aufgenommen, notfalls das bestehende Vorkaufsrecht in Anspruch genommen werden: der Verlust an Atelierräumen wäre kaum kompensierbar. Auch für Atelierfrankfurt müssen wir bereits jetzt nach Alternativen suchen und mehr Investoren für Zwischennutzungen wie in der Diamantenbörse sensibilisiert werden. Für den Kulturcampus Bockenheim fordern wir, dass bestehende interessante Räume wie die Dondorf-Druckerei und das Studierendenhaus mittelfristig für die Kreativszene, insbesondere die junge Tanz- und Kunstszene, gesichert werden und nicht dem Verwertungsdruck des Landes nachgegeben wird.

Überall sucht man nach Konzepten, um kreative Räume und kulturelle Milieus zu halten oder zu schaffen. Keine Stadt, auch nicht Frankfurt, das derzeit über eine junge, aktuelle und potente Kunstszene und Kreativwirtschaft verfügt, kann es sich leisten, ihr „kreatives Potential“ und damit die elementare Bedeutung von Kunst und Kultur für die Innovationskraft und Vielfalt einer Stadt zu vernachlässigen.

Herzliche Grüße
Heike Hambrock
(Kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Römer)

90

Assassin

Haben sich die GRÜNEN mit der SPD abgesprochen und entschieden ihre "Erfolgsbilanz" im Kulturbereich, statt konkreter Antworten auf die Fragen, abzuliefern? KünstlerInnen, werden wie beim Beitrag der SPD mit sülzigem ausweichendem Text beschwallt, statt wirklich ernst genommen zu werden.

Ausweichung

Auch wenn es zynisch klingen mag, die hier versammelten Antworten sind durchaus "normal".

Und daran sind zu Teilen auch die KünstlerInnen selbst schuld. Sie müssten die Präzisierung auch einfordern. Wenn ich eine KollegIn gefragt habe, wann sie zuletzt mit einem Politiker gesprochen hätte, erntete ich nur Schulterzucken.

Allein diese Frage-Aktion hat mir auch Kritik ("Sowas macht man nicht...") unter den KollegInnen eingtragen. Viele wollen sich explizit nicht als politisch verstehen, oder mit eine solchen Haltung in der Öffentlichkeit stehen.

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