17. Dec. 2017, 09:58

Flyer auf Flyer

Die Consume Bar vor der großen Flyerwand in der Ausstellung 25 Jahre Kunst und Club

Woran der Versuch scheiterte Anerkennung für die alternative Kunstszene in Frankfurt und Offenbach zu finden.

Der Titel der Ausstellung, „25 Jahre Kunst und Club: 1988-2013 Of/Ffm“, kommt so gewaltig daher, daß die Vermutung nahe liegt, es handele sich um eine Veranstaltung der Schirn Kunsthalle oder wenigstens des Frankfurter Kunstvereins. Verbunden mit der Hoffnung, die außerordentlichen Leistungen, die mit so unterschiedlichen Projekten wie Muttertag, Phantombüro, Montez, multi.trudi, Galerie Fruchtig, Fahrradhalle und weiteren Offspaces verbunden sind, wären endlich von offizieller Seite wahrgenommen worden.

Das ist leider nicht der Fall. Wieder einmal handelt es sich ein Unternehmen, das aus der Szene selbst heraus entstanden ist und ihre eigene Geschichte durch sich selbst inszeniert.

Anja Czioska und Patrick Raddatz haben die dankbare Aufgabe unternommen, wenigstens versuchsweise und vorläufig, eine Dokumentation der vielfältigen Aktivitäten zusammenzustellen, die unter dem Label "Kunst und Club" die Kultur in Frankfurt-Offenbach seit den 1990er Jahren revolutionierten. An einem Ort, der ebenso flüchtig wie die ausgestellten Werke ist. Die ehemalige Ölhalle im Offenbacher Hafengebiet muß demnächst der Neubebauung eben dieses Hafens weichen, um an sich selbst das Schicksal zu dokumentieren, dem die meisten der vorgestellten Objekte zum Opfer gefallen sind.

Ausstellung 25 Jahre Kunst und Club in der Ölhalle Offenbach

Die Ausstellung kann - wenig verwunderlich - aus Budgetgründen nur einen kleinen Teil der reichhaltigen Geschichte Frankfurter und Offenbacher Off-Projekte abbilden. Sie gliedert sich in drei Abschnitte:

- eine riesige Pinwand, die aus dem Medium des Flyers heraus versucht, einen zeitlichen Verlauf der Projekte zu entwickeln.

- mehrere Installationen, die nur sehr rudimentär einige beispielhafte Unternehmungen vorstellen. Consume Bar, Arosa2000, Galerie Fruchtig und Schmalclub.

- schliesslich eine Gesprächs- und Vortragsreihe, die über 4 Abende den damals bis heute Beteiligten Raum gibt ihre Arbeit und Sichtweise auf die Entwicklung von Kunst und Club darzustellen.

Gemessen an der großen Zahl der Projekte in den letzten 20 Jahren ist das bedauerlich wenig. Zumal eine Dokumentation praktisch nicht vorhanden ist. Die Webseite verzeichnet wenig mehr als allgemeine Information. Detailliertere Darstellung einzelner Projekte findet sich fast nur bei Thing Frankfurt.

Rekonstruktion des Kunstraums Arosa2000 in der Ausstellung 25 Jahre Kunst und Club in der Ölhalle Offenbach

Die Veranstalter hätten anders gewichten können. Wo bleibt zB die Fahrradhalle, die gerade für die Engführung von Kunst und Club wegweisendes geleistet hat? Auch Familie Montez ist kaum vertreten. Der Kunstraum Junghofstraße fehlt ebenfalls komplett.

So wünschenswert der enzyklopädische Blick gewesen wäre, der die Entwicklung in Frankfurt/Offenbach auf eine Ebene mit Berlin gehoben hätte, so nachvollziehbar schmerzlich bleibt die Erkenntnis zurück, daß mit begrenzten Mitteln kaum mehr zu machen war.

Innerhalb des angebotenen Rahmens halte ich es daher für nicht übertrieben von einer vertanen Chance zu sprechen. Gerade der markige Titel konterkariert von dem abgelegenen Ort und der unvollständigen Dokumentation wird es Folgeunternehmungen schwer machen, ansprechende Gründe für eine Neugewichtung alternativer Kunstpraxen in der Region Frankfurt/Offenbach ins Feld zu führen. Vielleicht ergeben sich in 5, 10 oder 15 Jahren neue Chancen. Wer weiß?

Die volle Last für die kuratorischen Defizite allein den Veranstaltern aufzubürden ginge allerdings zu weit.

Von offizieller Seite, von der Stadt Frankfurt, den ihr angeschlossenen Institutionen, sowie der lokalen wie überregionalen Presse, ist die gesamte alternative Kunstszene in Frankfurt und Offenbach in den letzten 20 Jahren nur sehr bruchstückhaft wahrgenommen worden. Diese traurige Bilanz kann nicht auf das Konto zweier KünstlerInnen gehen, die selbst aus der Szene stammend, sich anerkennenswerte Mühe gegeben haben, für die Arbeit vieler Beteiligter Anerkennung zu finden.

Als bedrückendes Fazit des Projektes „25 Jahre Kunst und Club: 1988-2013 Of/Ffm“ kann ich nur feststellen, daß wieder einmal die Institutionen versagt haben.

Siehst Du das ähnlich?

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Rahmenprogramm

Freitag 7. Juni: ab 21Uhr Vorträge mit Musik: Kunst und Club, Die frühen Jahre Hans Romanov (seit 1988 / Bar Romantica, Intimbar, Maxims, Ostklub, Yachtklub), Annette Gloser (Galerie Fruchtig 1995-2000 and beyond) und Freunde, Moderation: Anja Czioska, ArtSpace-RheinMain

Freitag 14. Juni: ab 20.30 Einlass, Vorträge mit Musik, Videos ab 21.00 Uhr
Gregor Schubert: Erste Jahre der Freitagsküche, Lichter Filmfest
Vorstellung Kunsträume / Clubkonzepte: Phantombüro
Junghofstrasse 1997-1998 (Thomas Erdelmeier) und Beiträge von weiteren Initiatoren und Freunden Host: mobile Bar by ConsumeBar (1991-2013)

Freitag: 21. Juni: ab 20.30 Einlass, Vorträge mit Musik, Videos ab 21.00 Uhr
Heiner Blum ( Prof. HfG ), Schmalclub, Robert Johnson / Roxi / Fahrradhalle, Peak Club / Robert Johnson Club / Waggon

Freitag 28. Juni: ab 20.30 Einlass, Vorträge mit Musik, Videos ab 21.00 Uhr
Anja Czioska, ACAC-gallery, Kuratorin und Leitung: ArtSpace-RheinMain
(Co-Founder: Lola Montez, Kunstverein Famile Montez 2000-2009 / 90min Film: ArtDiary Frankfurt 2009-2012) und Wegbegleiter der Projekte
Andrea Weiss (Verein Süsswasser e.V., Interim Projekte, Rotari, Hafen2)
Get Rich (Host: Ölhalle / Clubskulptur Holzhausen 2013 und Holzhausenstrasse 2012/13)

http://www.artspace-rheinmain.com/news-reader/items/33.html

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